Anti-Stress Kur für Hochzeitsgeplagte (Marina Baum)

Jürgen saß wieder einmal mit nervösem Blick in seinem Arbeitszimmer, umgeben von Laptops und seinen zwei Smartphones, die noch Zuwachs bekommen hatten. Schuld an seinem gestressten Gesichtsausdruck waren ausnahmsweise nicht unzufriedene Kunden oder Lieferschwierigkeiten, sondern das dritte neu erworbene Handy, das nur einen Zweck erfüllen sollte: die Hochzeitsvorbereitungen zu koordinieren.

Von Freude und Wahnsinn

Wie romantisch hatte doch alles begonnen. Es war in ihrem Karibikurlaub, als er an einem traumhaft schönen Sandstrand bei Sonnenuntergang um ihre Hand angehalten hatte. Flora hatte nichts davon geahnt, umso größer war ihr Staunen und ein tiefes Glück und eine ungeahnte Freude überfielen sie, als er ihr den Ring unter die Nase hielt. Sie war von sich selbst überrascht, dass sie sich so freute und es einfach nur wunderschön fand, diesen Mann zu heiraten, den Mann, den sie liebte, mit dem sie sich als Einheit spürte und der sie doch so sein ließ und akzeptierte, wie sie war. Zurück aus dem Urlaub, wurden sie schnell in den Alltag zurückgeworfen. Ihre Umgebung überhäufte sie mit guten Ratschlägen und Kontaktadressen. Vor allem ihre Mutter war geradezu besessen von der Idee, für ihre einzige Tochter die Hochzeit des Jahres zu gestalten. Das Ganze hatte sich rasch verselbstständigt und das „Hochzeitshandy“ bimmelte den ganzen Tag, um dringende Nachrichten zur Hochzeitsvorbereitung zu übermitteln. Bilder und Imagefilme von Dekoration, Musik und sonstiger Hochzeitsgestaltung überrollten sie täglich.

Eine Idee zur rechten Zeit

Flora betrachtete die immer länger werdende To-do-Liste und fasste einen Beschluss. Sie nahm zwei Zettel. Auf einen schrieb sie unter den Titel „Was wir uns für unsere Hochzeit wirklich wünschen“ die wenigen Dinge, die ihnen für die Hochzeit wirklich wichtig waren. Auf den zweiten schrieb sie alles, was sie und Jürgen nicht möchten und setzte als Überschrift „Not-To-do-Liste“ darüber. Sie tippte alles schnell in ihren Laptop und schickte die E-Mail an ihre Mutter.

Auszeit

Am nächsten Tag schnappte sie sich Jürgen. Sie wusste, dass er diese Woche keine wichtigen Arbeitstermine mehr hatte. Sie verband ihm die Augen mit einem Tuch und setzte ihn ins Auto. Nach einer kurzen Fahrt führte sie ihn zu einer romantischen kleinen Lichtung im Wald, wo sie ein Picknick vorbereitet hatte. Sie nahm ihm die Augenbinde ab und sagte zu ihm: „Es ist zwar nicht die Karibik, aber ein schöner Ort, um in Ruhe die Hochzeit zu planen, findest du nicht? Ein Zimmer in der Nähe in einer kleinen Pension ist schon reserviert. Unsere Handys habe ich leider zu Hause vergessen“. Jetzt war er so sprachlos wie sie damals, als sie den Ring in seiner Hand gesehen hatte.

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